Artikel Ernährung im Tanz

Artikel für den IGRC-Newsletter (vom 2.1.2012)

Bewegtes Leben – ausgewogene Ernährung

Ich freute mich sehr über die Einladung einen Artikel über „Ernährung im Tanz“ für den IGRC-Newsletter zu verfassen und entschied mich, diese Möglichkeit zu nutzen, um Zusammenhänge zwischen meiner Arbeit als Tanzpädagogin und Ernährungstrainerin herauszuarbeiten. Des weiteren stelle ich kurz die speziellen Anforderungen von TänzerInnen an die Ernährung dar.

Schon während meiner Ausbildung zur Tanzpädagogin kristallisierte sich für mich sehr bald der Wunsch heraus, Menschen ganzheitlich und individuell auf ihrem Weg begleiten und weiterbringen zu wollen, was meiner Meinung nach stark durch die Ausbildung im Chladek-System und dessen Offenheit und Flexibilität im Denken und im Umgang mit Menschen beeinflusst wurde.

Bereits vor meinem Studium an der Konservatorium Wien PU war ich am Thema Ernährung interessiert und so stellte sich für mich bald die Frage nach einer adäquaten Ernährung speziell für TänzerInnen.

Ich musste die Erfahrung machen, dass es schwierig war, zufriedenstellende Antworten zu bekommen und entschied mich eine Weile nach Studienende für eine Ausbildung zur Ernährungstrainerin. Meine Abschlussarbeit behandelte das Thema „Ernährung für TänzerInnen“, wobei ich kaum Literatur zu diesem Thema finden konnte (und leider nach wie vor sehr rar ist). Somit entschloss ich mich selber zu forschen und startete im Jahr 2010 eine Umfrage zum „Ernährungsverhalten von TänzerInnen“ (243 TeilnehmerInnen, davon 81 Profis, 117 TanzstudentInnen und 45 Laien-TänzerInnen), damit ich Antworten auf meine Fragen, die sich für mich als Tänzerin und Tanzpädagogin ergeben hatten und die ich bei KollegInnen und SchülerInnen beobachten konnte, bekomme.

Heute, in meiner Arbeit als Tanzpädagogin und Ernährungstrainerin, ist für mich die Ernährung neben der Bewegung ein wesentlicher Indikator in der ganzheitlichen Betrachtung und Betreuung des Menschen. Ich begleite Dozenten, Internatsbetreuer, Eltern, Laien-TänzerInnen, TanzstudentInnen und professionelle TänzerInnen mit Bewegung und Gesprächen in ihrem physisch wie psychisch sehr bewegten Leben.

Warum eine spezielle Ernährung für TänzerInnen?

Die Ernährung eines/r Tänzers/in spielt in Hinblick auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit während der Ausbildung und der aktiven Karriere eine wichtige Rolle. Um den hohen körperlichen Anforderungen des intensiven Trainings gerecht zu werden, die Erholungs- und Regenerationsphasen sinnvoll zu unterstützen und Nährstoffmängel im Körper zu umgehen braucht es ein Basiswissen um eine ausgewogene, ausreichende und nährstoffreiche Ernährung.

Bei einem Trainingsaufwand von mehr als 10 Stunden pro Woche – der dem eines Leistungssportlers entspricht – ist die Aufklärung über eine adäquate Ernährung und die individuelle Integration in den Tagesablauf notwendig.

Die häufigsten Problem- und Fragestellungen im Bezug auf Ernährung, die sich für TänzerInnen ergeben, sind folgende:

Zu wenig Zeit zum Essen:

Der meist unregelmäßige Tagesablauf eines/r Tänzers/in mit nur kurzen Pausen zwischen Trainingseinheiten, Proben, Unterrichten und Auftritten bietet oft zu wenig Zeit für eine ausgewogene und ausreichende Nahrungsaufnahme, die allerdings dringend notwendig ist, um genug Energie zu sammeln und leere Speicher wieder aufzufüllen.

Keine oder zu wenig Information über Ernährung:

Viele TänzerInnen wissen gar nicht, was es in Theorie und Praxis bedeutet, sich sinnvoll zu ernähren, da sie im Rahmen ihrer Ausbildung keinerlei Informationen dazu erhalten haben. Durch die konkrete Fragestellung in meiner Umfrage konnte ich erfahren, dass 43% der TeilnehmerInnen niemals Fortbildungen zum Thema Ernährung erhalten haben.

Auch in meiner aktiven Vortrags-Tätigkeit stelle ich fest, dass ich meist mit den Grundlagen der Ernährung beginnen muss, bevor ich überhaupt auf die spezielle Ernährung von TänzerInnen eingehen kann.

Das „Figur-Ideal“ und die „Ideal-Figur“:

Viele TänzerInnen werden bereits sehr früh mit dem Ideal einer möglichst schlanken Figur konfrontiert (je nach Tanzrichtung in unterschiedlicher Intensität). Der Druck wird entweder von Dozenten, Eltern, Choreografen, Kollegen oder von den TänzerInnen selbst auferlegt. Zudem werden oft gut gemeinte Ratschläge in Hinblick auf die Ernährung oder die „ideale Figur“ weitergegeben, die neben den bereits erwähnten Gründen zu einer zu geringen, unausgewogenen Nahrungsaufnahme und somit zu einer zu geringen Nährstoffzufuhr führen können. Auch kann hier der Grundstein für eine Essstörung gelegt werden (im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung ist laut meiner Umfrage die Anzahl an Essstörungen unter professionellen TänzerInnen um das fast 10-fache erhöht).

Essen am Abend:

Profis und Tanzpädagogen arbeiten oft am Abend oder bis in die Nacht. Vor der Vorstellung bzw. dem Unterrichten ist es nicht möglich große Mengen zu essen und danach meist zu spät. Dieser Tagesablauf stellt besondere Anforderungen an eine ausgewogene Ernährung und bedarf einer sorgfältigen, individuellen Planung.

Geeignete Lebensmittel unterwegs

TänzerInnen und TanzpädagogInnen sind meist viel unterwegs und auch abseits von der eigenen Küche ist es wichtig zu wissen, wie und wo man hochwertige Lebensmittel (= Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte) findet. Sofern vorhanden, sollten Kantinen, Buffets und Restaurants in Ausbildungen und Studios auf den Bedarf der TänzerInnen abgestimmt sein.

Es ist mir ein großes Anliegen, das mitunter sehr emotionale und persönliche Thema Ernährung unter TänzerInnen und TanzpädagogInnen auf eine gesunde und umsetzbare Art und Weise zu verbreiten. Somit appelliere ich auch immer an alle TanzpädagogInnen und TänzerInnen, sich bei Unklarheiten zum Thema Ernährung so schnell wie möglich fachgerechte Informationen einzuholen bzw. sich fortzubilden und rate von „gutgemeinten Ernährungstipps“ an SchülerInnen und KollegInnen dringend ab.

Die inhaltlich detaillierte Ausführung der Ernährung für TänzerInnen würde den Rahmen des Newsletters sprengen, deshalb verweise ich an dieser Stelle auf mein Infoblatt „Gesund Essen“, das ich für die tamed (Tanzmedizin Deutschland e.V.) verfasst habe. Erhältlich über http://www.tamed.de/mediathek/infoblaetter.html, Kosten: € 3,50